Gute Webseiten lt. Kanzleiordnung

Die K&K-Kreativkanzlei ahndet elektronische Urkunden im öffentlichen Raum, die sich wider die herrschenden Sitten vergehen. ← Achtung, Ironie

Verordnung 1

Gute Webseiten müssen einander gleichen wie ein Ei dem anderen. „Originelle Ideen“, Humor und Überraschungen sind zu unterlassen. Sonst besteht die Gefahr, dass man sich Ihre Webseite merkt, herumzeigt oder gar darauf verlinkt.

Verordnung 2

Der Stil von Grafiken und die Inhalte von Fotos sind austauschbar zu halten. Es empfehlen sich verglaste Bürotürme, händeschüttelnde Anzugträger und lächelnde Hostessen mit Headset.

Verordnung 3

Für die Überschriften und Texte Ihrer Webseite dürfen keine professionellen Autoren engagiert werden. Sonst lesen sich die Besucher womöglich fest: Gefahr von Augenschäden bzw. unerwünschtes Hängenbleiben von „Messages“.

Verordnung 4

Stellen Sie ein Passfoto des Seniorchefs online, dazu die alten Broschürentexte, ungekürzt und in winziger Schrift.

Verordnung 5

Das Menü hat sich am firmeninternen Organigramm zu orientieren. Ein Minimum von 4 Links sollte ins Leere führen. Die Beschriftungen der Buttons sind kryptisch zu halten.

Verordnung 6

Lassen Sie die Besucher im Unklaren, was sie nach minutenlangem Formularausfüllen erwartet. Nach geltendem Standard darf der allerletzte Link nicht funktionieren.

Verordnung 7

Jede gute Webseite beginnt vorschriftsgemäß mit dem Wort „Willkommen“. Im Text haben die Begriffe „zukunftsweisend“ und „serviceorientiert“ sowie „leistungsfähig“ mehrmals aufzutauchen.

Verordnung 8

Je mehr Silben die von Ihnen benutzten Wörter haben, desto mehr Respekt haben wir vor Ihnen. Rechtschreibfehler, Syntax-Sünden und Passiv-Konstruktionen sind nach Belieben einzustreuen.

Verordnung 9

Werbe-Popups ohne flackernde Schriften und Ladezeiten unter 10 Sekunden sind unzulässig. Ein erkennbarer Sinn oder Unterhaltungswert ist zu vermeiden. Erfreuen Sie Ihre Gäste stattdessen mit Techno-Loops in Telefonqualität.

Verordnung 10

Wenn ein Benutzer Ihre Webseite schließt, sollten Ihre Programmierer dafür gesorgt haben, dass sich sein gesamter Browser verabschiedet.

Hegen Sie den Verdacht, dass Ihre derzeitige Webseite gegen die geltenden Bestimmungen verstößt? Fühlen Sie sich schuldig ob Ihrer interessanten Inhalte und einleuchtenden Formulierungen? Kommen dazu strafverschärfend das ansprechende Design und die benutzerfreundliche Navigation?

Dann ist es wohl Zeit für eine Selbstanzeige mit Google-Ads.

 

gugganig
Roland Gugganig begann als Moderator des „Ö3-Weckers“, schrieb zahlreiche TV-Specials für den ORF und zeichnet als Co-Autor mehrerer europäischer Spielfilme. Seine Arbeit wurde mit dem Fernsehpreis „Romy“ und der „World Medal“ der New York Festivals ausgezeichnet. Portfolio ansehen →